Kommentar zur Nagelsmann-Entlassung
Ein Lob für den DFB – jetzt wäre es gut, wenn Klopp und Völler miteinander können
Entschieden, angepackt und kommuniziert: Für die schnelle Trennung von Julian Nagelsmann verdient der DFB Respekt. Ein Kommentar.
Es ist wahrlich nicht so, dass wir an dieser Stelle regelmäßig ganze Füllhörner an Lob über den DFB ausschütten. Das Gegenteil ist meist der Fall. Diesmal aber muss man konstatieren: Der zuständige Verband hat in Topspeed gehandelt. Denn die führenden Funktionäre haben sich umgehend nach der Schmach von Boston aus den USA verabschiedet. Sie haben zeitnah eine dreieinhalbstündige Sitzung mit Julian Nagelsmann in Frankfurt anberaumt.
Sie haben diesem und dessen Agentur von Volker Struth konkret angemessene Bedingungen für eine gesichtswahrende Trennung angeboten. Sie haben parallel dazu Kontakt zu Jürgen Klopp und dessen Manager Marc Kosicke sowie zu dessen Arbeitgeber Red Bull aufgenommen. Und sie haben fix eine digitale Eilsitzung der zuständigen Gremien organisiert, die den Prozess laut Satzung begleiten muss.
Für die angekratzte Popularität der Nationalmannschaft wäre es gut, wenn Völler und Klopp miteinander können
Das Aus von Nagelsmann als Bundestrainer war unvermeidlich. Denn er wurde nach dem Scheitern einer dysfunktionalen Mannschaft ja nicht nur in den Boulevardmedien knallhart angegangen, sondern hatte auch keinen Kredit mehr in der interessierten Öffentlichkeit. Auch wirkte er ausgezehrt und zunehmend entnervt. Das wären katastrophale Voraussetzungen gewesen, um das Projekt EM 2028 kraftvoll anzugehen.
Die Unbarmherzigkeit, die Nagelsmann – durch sein Auftreten sicher nicht nur unverschuldet – in den vergangenen Tagen medial erfahren hat, macht etwas mit einem Menschen. Deshalb ist es ein Gebot des Respekts, dass der DFB in seinem Trennungskommuniqué mit Lob für einen „verantwortungsbewussten und aufrichtigen Menschen“ nicht sparte. Wahr ist aber auch: Dieser gigantischen Aufgabe eines deutschen Bundestrainers, die für Nagelsmann über die Heim-EM 2024 hinweg noch nicht zu groß schien, war er im Vorfeld und während der WM nicht mehr gewachsen.
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Das war wohl auch jugendlicher Unreife geschuldet. Deshalb ist es richtig, dass der DFB jetzt nach Jürgen Klopp gefahndet hat und somit nach jemandem, der säckeweise Erfahrung mitbringt. Sowohl im Umgang mit Spielern als auch mit dem Publikum. Es ist nun noch zu klären, ob Klopp und Rudi Völler miteinander können. Um die angekratzte Popularität der Nationalmannschaft wiederherzustellen, wäre das vermutlich förderlich.
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