In Dortmund im Schatten seines Bruders?
„Nicht anders, sondern richtig“ – Wie der BVB Jobe Bellingham gewann
Beim BVB steht Jobe Bellingham irgendwie immer im Schatten seines Bruders. Trotzdem war es eine Entscheidung des Herzens für Dortmund.
Cincinnati – Jobe Bellingham ist der neue Hoffnungsträger bei Borussia Dortmund. Während der laufenden FIFA Klub-WM in den USA feierte der Neuzugang von England-Aufsteiger Sunderland sein Debüt in den neuen Farben und mit der ungewohnten Rückennummer 77 auf dem Rücken.
Die Lieblingsnummer 7 ist derzeit noch von Giovanni Reyna belegt. Theoretisch frei gewesen wäre die 22, die Jude Bellingham in Dortmund getragen hat, ehe er zu Real Madrid wechselte. Doch seinem Bruder will der neue Bellingham beim BVB nicht nacheifern. Auf dem Trikot steht nur „Jobe“, nicht der Nachname. Dem Neuzugang ist bewusst, dass er gemischte Signale sendet.
Bellingham hat sich „lange gegen Dortmund gesträubt“
„Klar, das wirkt widersprüchlich“, sagt Bellingham gegenüber dem Streamingdienst DAZN. „Ich habe mich lange innerlich gegen Dortmund gesträubt – einfach aus Angst, nicht mein eigener Mann zu sein.“ Die Sorge, immer im Schatten des großen Bruders zu stehen, war lange präsent.
Seine Entscheidung, trotzdem nach Dortmund zu wechseln, fiel erst nach einem Gespräch mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. „Er hat mir dann gesagt: ‚Es geht nicht darum, anders zu sein – sondern das Richtige zu tun.‘ Und genau das hat mich überzeugt.“
Für Jobe Bellingham bedeutete das: „Wenn der richtige Weg Dortmund ist – wie bei vielen jungen Spielern – warum dann nicht? Es wäre genauso falsch gewesen, zu einem anderen Klub zu gehen, nur weil Jude hier war. Beide Wege haben Risiken. Dortmund hat lange gekämpft – und mich überzeugt. Und wie meine Familie immer sagt: Folge deinem Herzen.“
Eintracht hoffte auf Zuschlag von Bellingham
Neben Dortmund hatte sich vor allem Eintracht Frankfurt lange Hoffnungen um die Zusage von Bellingham gemacht. In Hessen hätte der Mittelfeldmann seine eigene Geschichte geschrieben. Die Vergleiche wären ihm in der einen oder anderen Art trotzdem gefolgt.
Sie sind auch nur allzu verständlich: Die Brüder sehen sich zum Verwechseln ähnlich, auch ihre Stimme scheint nahezu identisch. Zudem sind sie beide vielseitige Mittelfeldspieler, die sowohl gerne in krachende Zweikämpfe gehen als auch mit dem Ball umzugehen wissen.
In Dortmund hätten sie nichts dagegen, wenn Jobe die Fußstapfen von Jude füllen würde. Als Vorbilder hat sich der Neuzugang aber andere Größen ausgesucht.
Busquets, Kroos, Gerrard, Vieira: Bellingham hat viele Vorbilder
„Pep Guardiola hat mal über Sergio Busquets und Toni Kroos gesagt: Die Leute merken gar nicht, wie gut diese Spieler wirklich sind – bis sie fehlen. Als Kroos bei Real ging, haben sie plötzlich keine Champions League mehr gewonnen. Genau solche Spieler machen die kleinen Dinge über 90 Minuten konstant gut“, sagt Bellingham.
„Ich schaue viel auf YouTube. Ich sehe mir auch Dokus an – Steven Gerrards zum Beispiel habe ich unzählige Male gesehen“, erzählt Bellingham. „Diego Maradona auch – unfassbar gut, aber da kann ich nichts lernen, der war einfach zu krass. Auch Patrick Vieira – ich dachte immer, der sei rein defensiv, aber er konnte alles.“
BVB-Neuzugang Bellingham mit forscher Ansage: „Ich will Spiele kontrollieren“
Auf einer Stufe mit solchen Namen kann der neue BVB-Hoffnungsträger noch nicht stehen. Sein Bundesliga-Debüt wird für den 19-Jährigen das erste Spiel in einer Top-Liga. Bisher kennt er nur die zweitklassige englische Championship – und die Klub-WM.
„Vielleicht mein Antrieb“, sagt Bellingham auf die Frage, was ihn besonders auszeichne. „Ich arbeite daran, konstant zu sein – über ein Spiel hinweg, über Wochen hinweg. Ich will Spiele kontrollieren. Ich glaube, ich bin da auf einem guten Weg. Ich bin auch widerstandsfähiger geworden – mit Fehlern besser umzugehen, weil das Leben mich dazu gebracht hat.“
Dem Bruder letztlich doch nach Dortmund gefolgt zu sein, das soll kein lehrreicher Fehler werden. „Nicht anders, sondern richtig“ – das ist Jobe Bellinghams Anspruch für seine Zeit beim BVB.
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