Klubchef will Dortmund-Präsident werden
Neue Rolle für Watzke beim BVB: Ausgerechnet Rummenigge ist das Vorbild
Ein These zur Zukunft von Hans-Joachim Watzke sorgt für Aufsehen: Als BVB-Präsident soll er eine Rolle wie Karl-Heinz Rummenigge bei Bayern einnehmen.
Dortmund – Die Zukunft von Hans-Joachim Watzke bei Borussia Dortmund ist aktuell noch ungeklärt. Während der langjährige Geschäftsführer noch über eine mögliche Kandidatur für das Präsidentenamt nachdenkt, hat sich Amtsinhaber Reinhold Lunow bereits positioniert. Für den BVB bedeutete dies zuletzt unverhoffte Unruhe anstelle des gewünschten reibungslosen Übergangs.
Dabei drängt sich ohnehin die Frage auf, wie Watzke seine Rolle als Vereinspräsident interpretieren würde. Dass der Geschäftsmann aus dem Sauerland plötzlich zum „Frühstücksminister“ wird, kann sich kaum jemand in Dortmund vorstellen. Mit Pit Gottschalk skizziert ein langjähriger Wegbegleiter des BVB-Bosses im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, ein spannendes Szenario.
Wird Watzke beim BVB „Türöffner wie Karl-Heinz Rummenigge“?
Er sieht Watzke „als Elder Statesman im Hintergrund, mit seinen Kontakten ins internationale Business, als Türöffner, so wie das zum Beispiel Karl-Heinz Rummenigge auch bei Bayern München macht“, sagt Gottschalk. Rummenigge war von 2002 bis 2021 Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, 2023 rückte er in den Aufsichtsrat des Rekordmeisters.
In der Öffentlichkeit hält sich Rummenigge weitgehend zurück, anders als etwa Ehrenpräsident Uli Hoeneß. Dass er dennoch wichtigen Einfluss nimmt, ist kein Geheimnis. Unter anderem wurde der 69-Jährige als wichtiger Faktor genannt, als der FC Bayern Superstar Harry Kane in die Bundesliga holte.
Gerade in den bisweilen komplizierten Transfer-Verhandlungen mit internationalen Konkurrenten ist der einstige Weltklasse-Stürmer Rummenigge dank seiner Vernetzung, etwa durch die jahrelange Tätigkeit als Vorsitzender der Klubvereinigung ECA, eine wichtige Figur bei den Bayern. Komplett vergleichbar sind Watzke und Rummenigge allerdings nicht.
Während Rummenigge als ehemaliger Profi von Weltrang große sportliche Expertise in seine Funktionärslaufbahn einbrachte, kam Watzke immer von der kaufmännischen Seite. Und während Rummenigge in den Bayern-Aufsichtsrat ging, soll Watzke beim BVB zum wichtigsten Repräsentanten des Gesamtvereins werden, der sich nicht alleine der Profiabteilung widmen kann.
„Die beiden wichtigsten Vereinsgremien, unser Wirtschaftsrat und unser Ältestenrat, haben mich beide einstimmig gebeten zu kandidieren“, sagte Watzke dem kicker. Das Präsidentenamt würde ihm eine sichtbarere Rolle verschaffen als Rummenigge sie heute hat.
Das würde allerdings durchaus zur bisherigen Rolle von Watzke passen. Der BVB bot auf der Chefetage eine größere „One-Man-Show“ als in München, wo neben Rummenigge immer auch Hoeneß eine zentrale Rolle spielte, auch Franz Beckenbauer seinen Einfluss hatte und im operativen Geschäft erst Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić, inzwischen Jan-Christian Dreesen und Max Eberl die Hauptfiguren wurden.
Watzke hingegen prägte den BVB zwei Jahrzehnte lang nahezu unangefochten. Wie sich der Big Boss von Dortmund künftig verhält, ist schon deshalb eine spannende Frage. Gottschalk sieht eine positive Konstellation für Schwarzgelb. „Ich glaube, Niko Kovač und Lars Ricken können tatsächlich eine Emanzipation einleiten“, erklärt der renommierte Journalist.
Beide seien „Pragmatiker“, die gemeinsam mit Sportdirektor Sebastian Kehl als „ausführendes Organ“ eine neue Richtung einschlagen könnten. Allerdings hebt Gottschalk hervor, dass der BVB gar nicht auf links gedreht werden muss, wenn sich Watzke Richtung Jahresende aus dem Tagesgeschäft zurückzieht.
„Im Gespräch, dass ich mit Aki Watzke geführt habe bei der Klub-WM, hat er mir bei einer Tasse Kaffee gesagt: ‚Was die Leute immer vergessen, wir haben so oft, auch seit Jürgen Klopp weg ist, die Champions League erreicht. Davon gibt es nur eine Handvoll Mannschaften in Europa, die das geschafft haben. Das darf man auch nicht vergessen.‘“
Die erste Entscheidung über Watzkes Zukunft fällt voraussichtlich in den kommenden Wochen. Sollte er tatsächlich als Präsident kandidieren, wäre eine gewaltige Überraschung, wenn der 66-Jährige die Wahl nicht auch gewinnen sollte. Das Prozedere sieht vor, dass in den ersten beiden Wahlgängen ausschließlich der vom Wahlausschuss vorgeschlagene Kandidat zur Abstimmung steht.
Erhält dieser die absolute Mehrheit, ist die Wahl beendet. Vorschläge aus der Versammlung sind erst ab einem potenziellen dritten Wahlgang möglich. Welche Kandidaten der Wahlausschuss vorschlägt, ist noch offen. Qua Vereinssatzung gehören dem Gremium unter anderem vier Mitglieder des Wirtschaftsrates und drei des Ältestenrates an – Gremien also, die sich bereits hinter Watzke positioniert haben.
Die Mitgliederversammlung des BVB ist noch nicht terminiert. In den vergangenen Jahren fand sie üblicherweise am Totensonntag statt. Demnach wäre der Termin am 23. November 2025. Die BVB-Versammlung findet erstmals als Hybridveranstaltung statt. Darin sehen Beobachter einen Vorteil für Watzke, der vielen Mitgliedern wesentlich bekannter ist als Lunow.
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