Große Ernüchterung
Welchen Wert hat die Saison von Borussia Mönchengladbach?
Ende März wäre die Beurteilung dieser Frage positiver ausgefallen als Mitte Mai: Was ist die Saison von Gladbach tatsächlich wert?
Mönchengladbach – Ist es Enttäuschung? Ist es Ernüchterung? Ist es der Boden der Tatsachen? Ganz egal, was Fans von Borussia Mönchengladbach dieser Tage fühlen: Es fühlt sich nicht gut an.
Ernüchterung statt Europa-Träume in Gladbach
Die Fohlen sahen Ende März eine große Chance in greifbarer Nähe. Durch den 1:0-Sieg gegen RB Leipzig katapultierte sich Borussia auf den fünften Tabellenplatz. Schon seit Wochen waren die Gladbacher mitten im Europa-Rennen, zu keinem Zeitpunkt aber so prominent wie an jenem 27. Spieltag.
In Diskussionen über Eintracht Frankfurt wird häufig die Metapher der „Diva vom Main“ herangezogen. Bei Gladbach kann mittlerweile von der Diva vom Niederrhein gesprochen werden, denn wieder einmal hat Borussia zum Saisonende große Schwierigkeiten.
Im Endspurt der Spielzeit 2023/24 sammelte die Mannschaft von Gerardo Seoane neun Punkte in elf Spielen und feierte nur einen einzigen Sieg. Im Hier und Jetzt hat Gladbach in den vergangenen sechs Spielen zwei Zähler gesammelt, mit einem Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg kann die Ausbeute immerhin auf fünf Punkte in sieben Partien aufgebessert werden.
Seoane auf einem Level mit Ex-Gladbach-Trainern Hütter und Farke
Ob dann auch ein versöhnliches Ende zu erwarten ist? Darüber darf Uneinigkeit herrschen. Wenn Fans darüber diskutieren, was diese Saison eigentlich wert ist, fällt das Urteil häufig negativ aus.
Dabei gab es ja einen Fortschritt. Trotz der jüngsten Gegentorflut (16 in sechs Spielen) hat Borussia bis dato elf Gegentreffer weniger kassiert als in der Vorsaison. Außerdem wurde die Anzahl der Siege fast verdoppelt, zu Buche stehen derer dreizehn statt zuvor sieben. Und anstelle von 34 Punkten hat Gladbach 45 Punkte auf der Habenseite.
Im Gesamtkontext der Post-Marco-Rose-Ära ist Borussia allerdings am Nullpunkt angekommen. Zum Vergleich: Unter Adi Hütter beendeten die Fohlen die Saison 2021/22 mit zwölf Siegen, neun Remis, dreizehn Niederlagen, 54:61 Toren und 45 Punkten auf Platz zehn.
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Als Daniel Farke den Österreicher ersetzte, erreichte der heutige Aufstiegstrainer von Leeds United am Niederrhein mit elf Siegen, zehn Unentschieden, dreizehn Niederlagen, 52:55 Toren und 43 Punkten ebenfalls den zehnten Tabellenplatz.
Auch Gerardo Seoane winkt in seiner zweiten Saison Rang zehn – damit hätte der Schweizer aber die Einstelligkeit und damit das Saisonziel verfehlt. Dieses kann nur bei einem Ausrutscher des VfB Stuttgart oder von Werder Bremen erreicht werden.
Gladbach hat offenbar nur den Kurs korrigiert
Seit Sommer 2023 hat Gladbach laut Angaben von Transfermarkt knapp 37,5 Millionen Euro an Ablösesummen in den Kader investiert, rund 29,5 Millionen Euro alleine nach dem Farke-Aus vor zwei Jahren.
Die Mannschaft hat viele Gesichter verloren und neue erhalten, sportlich aber keinen bedeutsamen Schritt gemacht. Natürlich haben Fans die erfolgreiche Periode zwischen November und März genossen, doch genauso groß ist der Frust seit April. Irgendwie, so wirkt es, ist alles beim Alten geblieben.
Insofern handelt es sich um eine Kurskorrektur, die Borussia betrieben hat. Platz 14 in der Vorsaison ist ein Ausrutscher gewesen und soll einer bleiben. Und wenn es jetzt nichts mit der Einstelligkeit wird, dann wird 2025/26 der nächste Versuch unternommen, dieses Ziel zu erreichen.
Der Sommer hat wieder mal entscheidenden Charakter
Der Optimismus der Anhängerschaft wird jedoch maßgeblich vom Sommer abhängen. Gelingt es, Tim Kleindienst zu halten? Wie können etwaige Abgänge in der Defensive kompensiert werden? Roland Virkus hat eine schlagkräftige Truppe versprochen, dafür bedarf es allerdings gewisser Investitionen.
Parallel muss Gladbach auf dem Rasen eines werden: konstanter. Die Achterbahnfahrten sorgen für Unmut, denn wenn es einmal schlecht läuft, ist kaum ein Ende in Sicht. Von vereinzelten Rückschlägen lässt sich niemand unterkriegen, aber wieder einmal mindestens fünf Spiele sieglos zu sein, setzt dem Fan-Herz auf Dauer zu.
Gelänge der Schritt zu mehr Konstanz, wäre indes nicht nur das Umfeld optimistischer. Dann könnte auch von einer Entwicklung gesprochen werden.
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