Sparpotenzial für Rentner

Analyse offenbart: Senioren profitieren bei Krediten gegenüber jungen Menschen deutlich

Kredite für Senioren sind preiswerter als angenommen. Der Grund, warum die Darlehensbedingungen für ältere Menschen vorteilhafter sind und jüngere Menschen benachteiligt werden.

Heidelberg – Viele ältere Menschen fürchten, dass die Kreditkonditionen bei ihnen schlechter sind. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Eine Analyse von Verivox, die IPPEN.MEDIA exklusiv vorliegt, zeigt, dass Rentner im Durchschnitt etwa vier Prozent günstigere Ratenkredite erhalten als der allgemeine Durchschnitt der Kreditnehmer.

Auswertung zeigt: Rentner sind bei der Kreditvergabe im Vorteil

Ältere Menschen haben oft bessere Chancen auf einen Kredit als erwartet – sowohl bei der Kreditvergabe als auch bei den Zinsen. Im Februar 2025 betrug der durchschnittliche Zinssatz für alle Kreditabschlüsse laut Verivox 6,46 Prozent. Senioren ab 65 Jahren zahlten hingegen nur 6,19 Prozent. Dies stellt einen deutlichen Vorteil gegenüber jüngeren Kreditnehmern dar. Der Grund dafür ist das geringere Ausfallrisiko dieser Altersgruppe.

Rentner profitieren heute mehr denn je von günstigen Kreditkonditionen. Junge Menschen haben es da oft schwerer.(Symbolbild)

„Banken bepreisen mit dem Zinssatz ihr Ausfallrisiko“, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Da Rentner in der Regel über ein festes und krisensicheres Einkommen verfügen, können Banken ihnen günstigere Konditionen anbieten.“ Das stabile Einkommen aus der Rente macht also ältere Menschen für Kreditgeber besonders attraktiv. Auch, wenn die Zukunft der Rente immer wieder für Diskussionen führt.

In den letzten Jahren hat sich das Kreditverhalten älterer Menschen verändert. 2020 betrug die durchschnittliche Kreditsumme bei Senioren 11.926 Euro. Bis 2025 stieg sie auf 15.994 Euro – ein Anstieg von 34 Prozent. Auch die Laufzeiten verlängerten sich von durchschnittlich 61 auf 66 Monate.

Mehr 1.200 Euro – Hohes Potenzial zum Sparen für ältere Menschen

Oliver Maier erläutert: „Renovierungen der eigenen Immobilie, ein neues Auto oder der Kauf von neuem Mobiliar: Die Kreditsummen steigen, denn auch die Preise für viele Anschaffungen und typische Kreditanlässe haben sich in den letzten Jahren erhöht. Gleichzeitig hat sich aufgrund der Rentensteigerungen in den letzten Jahren auch die Finanzkraft vieler Senioren erhöht. Kreditvorhaben sind daher für Senioren heute oft problemlos realisierbar. Die längeren Laufzeiten zeigen dabei das Vertrauen der Banken in die langfristige Zahlungsfähigkeit älterer Kunden.“

Rente: Das sind die 15 größten Mythen zur Altersvorsorge

Kommt die Rente automatisch? Wie lange muss man mindestens gearbeitet haben? Und muss sie sogar versteuert werden? Das sind nur einige von vielen Fragen zur Altersvorsorge, die wir Ihnen nachfolgend beantworten wollen.
Mythos 1: Die Rente kommt automatisch. Hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Alle Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung müssen schriftlich beantragt werden.
Mythos 2: Die Rente muss nicht versteuert werden. Auch das ist nicht richtig. Renten sind grundsätzlich Einkommenssteuer- beziehungsweise Lohnsteuerpflichtig. Jedoch wird das Geld derzeit nicht voll versteuert. Der Prozentsatz hängt vom Zeitpunkt des Renteneintritts ab.
Mythos 3: Ein Reha-Aufenthalt mindert die Rente. Nein, ganz im Gegenteil: Während einer Rehabilitation werden die Pflichtbeiträge zu 80 Prozent des vergangenen Bruttolohns von der Rentenversicherung gezahlt, was den späteren Rentenanspruch erhöht.
Rente: Das sind die 15 größten Mythen zur Altersvorsorge

Ein weiteres Beispiel für das Sparpotenzial: Im Januar 2025 lagen die Zinsen für Ratenkredite bei traditionellen Hausbanken im Durchschnitt bei 8,52 Prozent. Senioren, die über Verivox ein Darlehen aufnahmen, konnten im Schnitt etwa 1.210 Euro an Zinskosten sparen. Ein Kreditvergleich lohnt sich also, besonders für ältere Menschen. Zudem erhöht ein solcher Vergleich die Wahrscheinlichkeit einer Kreditzusage.

„Die Kriterien für die Kreditprüfung und auch die Altersgrenzen sind bei den Banken ganz unterschiedlich“, so Oliver Maier. „Wir erleben sehr häufig, dass Senioren, deren Kreditwunsch von der Hausbank abgelehnt wurde, bei einer anderen Bank problemlos einen Ratenkredit bekommen.“

Ungleiche Verhältnisse: Sind jüngere Menschen bei der Kreditvergabe im Nachteil?

Jüngere Kreditinteressierte stehen dagegen oft vor größeren Herausforderungen. Eine ergänzende Verivox-Auswertung zur Kreditvergabe in Verbindung mit häufigen Vornamen zeigt deutliche Unterschiede: Männer mit dem Namen „Frank“ erhalten bei zwei von drei Kreditanfragen ein Angebot, während Antragsteller namens „Justin“ in zwei von drei Fällen abgelehnt werden. Auch Personen namens „Leon“ mit einer Ablehnungsquote von 62 Prozent oder „Denise“ mit 61 Prozent haben Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. Dabei zeigt eine Analyse, dass die Gen Z im Vergleich zur Boomer-Generation weniger unnötige Ausgaben bei der Kreditaufnahme tätigt.

Frank oder Justin: Was der Name mit der Kreditwürdigkeit zu tun hat

Die Ursachen liegen laut Verivox nicht im Namen, sondern in der Altersstruktur. Maier betont: „Selbstverständlich spielt der Name bei der Kreditprüfung durch die Bank keine Rolle. Die Unterschiede resultieren aus der Altersstruktur. Die Beliebtheit einzelner Vornamen unterliegt gewissen Moden und die ändern sich im Laufe der Zeit.“ Die Vornamen mit den höchsten Ablehnungsraten gehören meist jüngeren Menschen, die oft noch in der Ausbildung sind oder in befristeten Jobs arbeiten. Ihr Einkommen ist im Durchschnitt deutlich niedriger als das älterer Personen, was bei der Bonitätsprüfung ein Nachteil ist.

Kreditaufnahme für Alt und Jung: Experte rät zum Vergleich der Kreditinstitute

Unabhängig vom Alter empfiehlt Verivox, vor dem Kreditabschluss einen umfassenden Vergleich durchzuführen. Auch wenn eine Bank einen Antrag ablehnt, bedeutet das nicht, dass andere Institute dies ebenfalls tun. „Verbraucher mit einem Kreditwunsch sollten ihre Finanzierungsanfrage nicht nur an eine, sondern an möglichst viele Banken auf einmal richten. Bei einem Online-Kreditvergleich passiert das ganz automatisch“, erklärt Oliver Maier.

„Wer daraufhin nicht nur ein, sondern mehrere Bankangebote erhält, kann daraus bequem ein besonders günstiges auswählen und spart auf diese Weise häufig auch noch eine Menge Zinsen.“ Die ersten Konditionsanfragen bei einem Onlinevergleich beeinflussen den Schufa-Score nicht. Erst bei einer konkreten Bankverbindung erfolgt eine offizielle Kreditanfrage, die dann in die Schufa-Bewertung einfließt. (ls)

Rubriklistenbild: © Ivana Kojic/Westend61/IMAGO

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare