Kreml reagiert mit Vorwürfen
Ukraine düpiert Putin mit „Hattrick“: Dritter Schlag auf Raffinerie – ein Rätsel um Trump bleibt
Die Ukraine feiert einen Dreifachschlag auf eine Raffinerie. Die Schläge in Russlands Hinterland sind ein Erfolg – und lösen eine Debatte aus. Eine Analyse.
Ein Treffer gegen Russlands Wirtschaft, mit Explosionen und Rauch – das tut der Ukraine im Verteidigungskampf gegen Wladimir Putins Angriffskrieg psychologisch gut. Drei Treffer an derselben Stelle, samt einer offiziellen Reaktion des Kremlchefs: Das ist ein Jackpot in der öffentlichen Wahrnehmung. Genau das ist den Spezialkräften der ukrainischen Armee gerade geglückt, an der Raffinerie Tuapse am Schwarzen Meer. Allerdings ist nicht jeder symbolträchtige Schlag auch ein Wirkungstreffer. Und die Angriffe der letzten Wochen werfen ein paar welt- und wirtschaftspolitische Fragen auf.
Einige wichtige Fakten sind klar. Öl ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für Putins Kriegskasse. Und es hat wieder an Bedeutung gewonnen – mit Donald Trumps Iran-Krieg sind die Ölpreise gestiegen, zudem hat der US-Präsident jedenfalls vorübergehend Sanktionen gelockert. Denn er fürchtet vor den Midtermwahlen hohe Benzinpreise im eigenen Land. Fast zeitgleich mit dem Schritt hat die Ukraine begonnen, Russlands Ölindustrie wieder verstärkt ins Visier zu nehmen. Doch jenseits dieser Gewissheiten liegt der Teufel im Detail. Ein Überblick:
Ukraine düpiert Putin mit „Hattrick“: Schläge gegen Russlands Ölindustrie – Rätsel um Trump
Was ist in Tuapse passiert? Mit einer Drohnenattacke hat die ukrainische Armee am Dienstag ein Großfeuer in der Raffinerie ausgelöst – die dritte Attacke in nicht einmal zwei Wochen. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte auf X ein Video einer großen Rauchwolke. Auch die Bevölkerung der russischen Mittelstadt bekommt das mit. Fünf Tage hatte es zuletzt gebrannt, in sozialen Medien kursieren Bilder brennenden Öls auf den Straßen. Zugleich droht eine Ölpest in der Urlaubsregion am Schwarzen Meer.
Warum der Raffinerie-Angriff – und wie passt er ins Gesamtbild? Wichtig zu verstehen ist: Ölprodukte wie Benzin sind für Russlands Steuereinnahmen weniger entscheidend als Rohöl. Steuern gibt es dort laut einer Analyse des Carnegie Endowment For Intenational Peace vor allem auf Ölförderung. Und fallen Raffinerien aus, kann Russland Rohöl exportieren. Zugleich ist die Raffinerie-Produktion nicht leicht auszuhebeln. Es gibt einfach sehr viele Anlagen. Allerdings dienen gerade Raffinerien im Westen Russlands der Versorgung des Angriffsfeldzugs in der Ukraine. Und die Bürger könnten auf Sicht Folgen spüren. Benzinexporte ins Ausland hat Putins Regierung bereits bis Ende Juli verboten, offiziell wegen hoher landwirtschaftlicher Nachfrage. In der Vergangenheit musste auch Nachbar Belarus schon mit Lieferungen aushelfen.
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Aber die Ukraine greift auch Ölpumpstationen oder Ölhäfen an. Im März hat sie bei Luftangriffen laut der Agentur Reuters zwischenzeitlich 40 Prozent der Ölexportkapazitäten lahmgelegt. Russland liefert stattdessen etwa über Pipelines nach China – offenbar aber zu weniger lukrativen Preisen. Exportiert Russland weniger Öl, hat das auch Konsequenzen für den Weltmarkt, wie der Energieexperte Jörg Schindler unserer Redaktion schon 2024 sagte. Berichten zufolge wollte Joe Bidens Regierung damals deshalb Schläge auf die Ölproduktion unterbinden. Was eine weitere Frage aufwirft.
Ukraine attackiert Russlands Öl-Infrastruktur – hat Trump nichts dagegen? Partnerstaaten hätten darum gebeten, die Intensität der Schläge zu verringern, erklärte Selenskyj Ende März. Um welche Länder es sich handelte, verriet er nicht. Trump scheint zumindest nicht generell etwas gegen derartige Angriffe auf Russland zu haben. Im Oktober 2025 berichtete die Financial Times, US-Geheimdienste gewährten der Ukraine Hilfe bei Schlägen auf die russische Energieinfrastruktur.
Mit dem Iran-Krieg hat sich die Gemengelage natürlich verändert. Tagesaktuelle Äußerungen Trumps zum Thema gibt es nicht. Ende Februar erklärte laut CNN die ukrainische Botschafterin in den USA, Olga Stefanischyja, Trumps Regierung habe sich über einen Schlag beschwert, der amerikanische Investments in Kasachstan geschädigt habe. Es sei aber nicht um einen generellen Stopp von Angriffen auf russische Infrastruktur gegangen. Über die Lage hinter den Kulissen lässt sich nur spekulieren. Klar ist aber, dass die Ukraine selbstbewusster wird. Die USA sind in einigen Bereichen weiter wichtig für das Land. Aber die Hilfe ist unter Trump mehr oder minder auf Null geschrumpft. Und Washington hat wohl sogar Interesse an ukrainischen Waffenentwicklungen in der Luftabwehr – der Iran hatte mit billigsten Drohnen den Einsatz teurer US-Abwehrraketen provoziert.
Fehlkalkulation oder Weg zum Frieden? Ukraine trifft Putins Russland tief im Hinterland
Ändert sich die Lage im Ukraine-Krieg? Ein umittelbarer Gamechanger sind die Angriffe kaum. Sie sind aber Symptom einer Veränderung: Die Ukraine hat ihre Fähigkeit zu Schlägen tief im russischen Hinterland ausgebaut – und will das auch mit Deutschlands Hilfe weiter tun. Mit eigenen Drohnen muss die Ukraine keine Limitationen von Geberländern beachten. Russlands Medien ignorieren oder beschönigen Probleme zwar. Aber über Messengerdienste verbreiten sich Bilder dennoch. Selenskyj betonte auf X, Tuapse liege 1.500 Kilometer entfernt, und attestierte eine „neue Phase in der Nutzung ukrainischer Waffen, um das Potenzial von Russlands Krieg zu begrenzen.“
Selbst Putin sah sich nun zu einer Stellungnahme genötigt. Er dementierte ernste Gefahren, alles sei unter Kontrolle – und beklagte zugleich zunehmende ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur. Fakt ist, dass Russland seit Jahren dasselbe tut, mit Schlägen gegen Ziele ohne jede Kriegsbedeutung. Ein weiterer interessanter Aspekt: Womöglich hat die Ukraine von der Gegenwehr des Iran gelernt. Das den USA militärisch unterlegene Mullah-Regime hatte Energieinfrastruktur seiner Nachbarn angegriffen. „Es ist, als hätten die Ukrainer bemerkt, dass sie auch einen ökonomischen Hebel haben“, sagte Timothy Ash vom Thinktank Chatham House dem US-Sender CBS.
Sind die Treffer also gute Nachrichten? Es gibt auch mahnende Stimmen. Der Analyst Alexander Kolyandr vom Centre For European Policy Analysis warnte bei The Spectator etwa, der russische Staat profitiere aufgrund der Steuergesetze mehr von steigenden Ölpreisen, als dass ihm Exportausfälle schadeten.
Auch wenn dem so ist, dürfte sich aber ein weiteres Problem für Russlands Wirtschaft auftun – womöglich auch Gründe für Streit in den Eliten. Und die Ukraine stört nicht nur die Kriegslogistik, sondern bekommt mit erhöhter Reichweite ihrer Angriffe und den Schlägen gegen die Energieindustrie im besten Fall ein Druckmittel in die Hand. Selenskyj erklärte bereits, er sei offen für jede Form von Waffenstillstand. Auch begrenzt auf Energieinfrastruktur. So lange würden die Angriffe weiterlaufen. (Quellen: Reuters, New York Times, Financial Times, X, Carnegie Endowment for International Peace, The Spectator, Chatham House, CBS, Centre for European Policy Analysis, dpa, eigene Recherchen)
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