US-Außenhandelsbilanz

So wirksam sind Trumps Zölle wirklich: „Die große Dramatik ist erstmal vom Tisch“:

Mit einem Monat Verspätung wurden die Zahlen der US-Außenhandelsbilanz für August veröffentlicht. Trumps Zoll-Strategie scheint aufzugehen, oder? Eine Analyse.

Washington, D.C. – Zuletzt war die wirtschaftliche Stimmung in den USA wieder verhalten und tendenziell positiv. Das Bruttoinlandsprodukt stieg an. US-Präsident Donald Trump jubelte auf Social Media. Nun wurde mit einem Monat Verspätung die US-Außenhandelsbilanz veröffentlicht. An ihr wird auch indirekt gemessen, ob Trumps Zollpolitik nicht nur Druckmittel in politischen Verhandlungen ist, sondern auch im Außenhandel der USA seine Wirkung zeigt. So immerhin hatte der Präsident die „Tag der Befreiung“-Zölle angekündigt.

Im August scheinen Trumps Zölle ihre Wirkung gezeigt zu haben. Ein Experte warnt, das gesamte Bild nicht aus den Augen zu verlieren.

Ein Vorhaben, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, meint Handelsexperte Rolf Langhammer vom Kiel Institut für Weltwirtschaft im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Dabei schien Trumps Konzept im August aufzugehen – die Zölle traten am 7. des Monats in Kraft. Wie das U.S. Bureau of Economic Analysis berichtet, sanken die Importe um 5,1 Prozent auf 340 Milliarden US-Dollar. Die Exporte blieben relativ stabil und stiegen um rund 0,1 Prozent. Davon solle man sich aber nicht täuschen lassen, sagt Langhammer: „Im Grunde genommen interessieren die einzelnen Monate gar nicht so sehr. Viel interessanter ist, den Zeitraum Januar bis August 2025 mit dem von 2024 zu vergleichen. Dann sieht man, dass das Handelsdefizit sogar um 25 Prozent gestiegen ist.“

Trump übertrifft Biden in mit besseren US-Handelszahlen bisher nicht

Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso – trotz positiv wirkender Augustzahlen – eine Trump-typische Siegesrede auf dem Social-Media-Account des Präsidenten fehlt: „Sein Ziel, dass er im Vergleich zum letzten Jahr der Biden-Präsidentschaftszeit das Handelsbilanzdefizit der USA abbaut, hat er nicht erfüllt“, sagt Langhammer. Überraschend sei das nicht. „Schätzungen der eigenen Administration in der ersten Amtszeit von Trump zufolge hätte sich das Defizit selbst dann nicht beseitigen lassen, wenn die US-Zölle auf das Niveau der Handelspartner angehoben worden wären.“

Gerade im Frühjahr gab es einen gewaltigen Anstieg von Importen in die USA. Das lag am „Frontloading“: Unternehmen füllten ihre Bestände und Lager nochmal auf, um so lange wie möglich ihre Preise halten zu können. „Aber die Phase, in der Unternehmen Käufe vorgezogen haben, ist jetzt vorbei“, erklärt Langhammer. „Wir befinden uns aktuell in einer Art Zoll-Ruhe – auch, wenn man natürlich nicht sicher sein kann, was noch von Trump kommt.“ Im Durchschnitt liegt die globale Zollrate der USA aktuell bei rund mehr als 18 Prozent – so hoch wie seit über 90 Jahren nicht mehr.

Zumindest in Hinblick auf die Zölle könne Europa aktuell aufatmen, schätzt der Experte: „Die große Dramatik ist erstmal vom Tisch. Trump schaut aktuell gar nicht so sehr auf die Handelsbilanz – jetzt sind es erstmal die innenpolitischen Probleme, die ihn beschäftigen.“ Wenn es doch um Handel gehe, werde er sich auf China oder einzelne Länder konzentrieren. Jüngst hatte es die Schweiz geschafft, den US-Zollhammer von 39 Prozent abzuwenden und den Zollsatz in einem Deal auf 15 Prozent zu senken.

Während sich der Rest der Welt hinsichtlich der Zölle vielleicht entspannt, wird es in den kommenden Monaten in die USA selbst interessant. Ähnlich wie bei der Handelsbilanz lohnt sich der Blick auf die Gesamtsituation: Vorräte, die Unternehmen sich im Vorfeld angelegt hatten, wird nicht für die Ewigkeit reichen. Die Zölle, die seit August gelten, werden bei allen neuen Importen fällig. Die Last der Zölle wird sich schließlich immer häufiger in Preisen niederschlagen, die Kundinnen und Kunden zahlen müssen. Im September stieg die Inflation in den USA um 0,3 Prozent auf drei Prozent. (Quellen: Eigene Recherche, Gespräch mit Rolf Langhammer, U.S. Bureau of Economic Analysis, Bureau of Labor Statistics, Yale Budget Lab) (ligi)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Pool/ABACA

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