Analyse zeigt Ausmaß der Folgen
Trumps Krieg gescheitert, Hormus-Straße dicht – die Welt steht „vor einem Scherbenhaufen“
Die Folgen der Blockade der Straße von Hormus seien dramatisch für die ganze Welt, warnen Analysten. Der Iran werde weiter auf Erpressung setzen.
US‑Präsident Donald Trump hat einen Krieg im Iran zwar begonnen, aber nicht gewonnen. Nun schaut die Welt machtlos dem Desaster zu, das daraus folgt: Verwerfungen auf dem Öl- und Gasmarkt, drohende Hungersnöte, anschwellende Wirtschaftskrisen. Und der Iran? Wirkt stärker als vor dem Krieg, weil er jetzt eine Meerenge kontrolliert und so ein Druckmittel für die gesamte globale Ordnung in der Hand hat.
„Der Iran darf die Straße von Hormus nicht beherrschen“: So überschreiben die beiden Militäranalysten Nicholas Carl und Brian Carter einen aktuellen Bericht zum dramatischen Stand der Dinge. Die Analyse gab das „Critical Threat Project“ heraus. Das ist ein US‑Thinktank, der vom „America Enterprise Institute“ betrieben wird und das Ziel verfolgt, Informationen über Bedrohungen und Konflikte bereitzustellen.
„Iran darf Straße von Hormus nicht beherrschen“: Militäranalyse zeigt Ausmaß der globalen Gefahr
Die USA und seine Verbündeten – „von Europa bis zum Indopazifik“ – müssten um jeden Preis verhindern, „dass der Iran eine kritische Lebensader des globalen Handels als Geisel nimmt“, heißt es in der aktuellen Analyse. Egal, wie man Trumps Iran-Krieg oder dessen „Klugheit“ bewerte – die Welt müsse der Realität ins Auge blicken. Sei die Freiheit der Schifffahrt durch die Straße von Hormus auf Dauer nicht gesichert, seien die „lebenswichtigen nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und all ihrer Verbündeten und Partner – sowie vieler neutraler Länder“ – bedroht.
Tatsächlich scheitern Trumps Versuche, den Iran-Krieg zu beenden und die Straße von Hormus wieder freizubekommen, Woche um Woche. Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit an der Universität Bonn, sagte im Sender Welt/Ntv, auch Deutschland müsse sich klarmachen: „Wir werden nicht auf absehbare Zeit zu diesem Vorkriegszustand zurückkehren können, solange der Iran weiterhin die Kontrolle über die Straße von Hormus behält.“ 130 passierende Schiffe in der Meerenge pro Tag, wie es vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran der Normalzustand war, halte er auf absehbare Zeit für „völlig illusorisch“.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg




„Sitzen jetzt hier mit Scherbenhaufen“: Experte sieht „fundamentalen Fehler“ von Trump im Iran
Trump habe mit Beginn seines Krieges einen „fundamentalen Fehler“ begangen, den die ganze Welt nun ausbaden müsse, so der deutsche Sicherheitsexperte. „Wir alle sitzen jetzt hier mit diesem Scherbenhaufen. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran sei „ein Akt des Krieges, der sich auch gegen uns richtet“.
Auch für die Autoren der Militäranalyse des „Critical Threat Project“ steht fest: Der Iran rechne damit, gestärkt aus dem Krieg hervorzugehen – „mit einem Vetorecht darüber, wer auf einen der wichtigsten maritimen Engpässe der Welt zugreifen kann“. Dies bedrohe zum einen die Stärke der UA im Nahen Osten, aber auch die weltweite Sicherheit.
Oberster Mullah-Führer beschreibt, wie Straße von Hormus zur Erpressung genutzt werden kann
Einen Beleg dafür, dass der Iran vorhat, die Straße von Hormus dauerhaft zu kontrollieren und sie als souveränes iranisches Gewässer zu betrachten, sehen die Autoren in den Äußerungen des neuen Obersten Führers des Mullah-Regimes, Moschtaba Chamenei. Bereits in seiner ersten offiziellen Erklärung habe dieser angekündigt: „Wir werden Reparationen vom Feind fordern, und wenn sie sich weigern, werden wir so viele ihrer Vermögenswerte einziehen, wie wir es für angemessen halten, und wenn das nicht möglich ist, werden wir ebenso viele ihrer Vermögenswerte zerstören.“
Seitdem werde auf dem offiziellen Telegram-Kanal des iranischen Führers immer wieder beschrieben, wie die Meerenge zur Nötigung und Erpressung anderer Staaten genutzt werden könne.
Bei den Verhandlungen zum Iran-Krieg habe Teheran vorgeschlagen, dass die USA die iranische Kontrolle der Meerenge und das Recht Teherans, den Schiffsverkehr dort zu regulieren und zu besteuern, akzeptieren. Das Mullah-Regime habe sogar schon eine „Persian Gulf Strait Authority“ gegründet, um Zahlungen von durchfahrenden Handelsschiffen zu erheben.
Teheran will in Straße von Hormus Fakten schaffen und hat jetzt „außerordentlichen Einfluss“
Damit wolle man Fakten schaffen, die dazu führen, dass der Iran letztlich faktisch als Kontrolleur der Straße von Hormus anerkannt wird. „Außerordentlicher Einfluss“ im gesamten globalen System wäre dem Iran damit sicher, zählen die Militärexperten auf:
- Der Iran könne die Golfstaaten unter Druck setzen, indem er droht, ihnen den Zugang für Handelsschiffe zu sperren.
- Der Iran könne die Meerenge nutzen, um internationale Sanktionen zu umgehen. Das Regime verlange von Handelsschiffen, Transitgebühren in iranischer Währung und über iranische Banken zu zahlen, unter Verstoß gegen die Sanktionen gegen Teheran.
- Die iranische Kontrolle würde Versuche beeinträchtigen, den Iran durch eine regionale Partnerkoalition und Sanktionen einzudämmen, zum Beispiel auch bei dessen Atomprogramm.
Die Gefahr gehe noch weiter, warnen die Militärexperten: „Die Normalisierung dieses eklatanten Verstoßes gegen das internationale Seerecht droht, globale Normen zu erschüttern und einen äußerst gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen.“ Andere Staaten könnten sich ermutigt fühlen, ebenfalls Ansprüche auf wichtige Engpässe zu erheben und eigene Regeln mit Gewalt durchzusetzen. Die Autoren nennen als Beispiel China.
Ausweg aus Blockade von Hormus nicht in Sicht – Verhandlungen sollen weitergehen
Wie aber sollen Donald Trump und die betroffenen Länder einen Ausweg aus der Situation finden? Das von Trump angekündigte „Project Freedom“, das eine sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus unter Geleit der USA gewährleisten sollte, ist jedenfalls nach nur zwei Tagen gescheitert. Am Freitag kam es trotz einer seit rund einem Monat geltenden Waffenruhe im Iran-Krieg zwischen Washington und Teheran in der Meerenge zu militärischen Zusammenstößen.
Ungeachtet der militärischen Eskalation scheinen die Diplomatie und die Vermittlungsbemühungen fortzubestehen. Beide Seiten signalisieren weiterhin die Bereitschaft zum Dialog, wie der Sender Al Jazeera berichtet. Für die Experten der Analyse des „Critical Threat Project“ steht fest: Für die USA und ihre Verbündeten müsse „die vollständige Freiheit der Schifffahrt durch die Meerenge“ eine „nicht verhandelbare Bedingung“ für ein Ende des Iran-Kriegs sein. (Quellen: Criticalthreats.org, Welt/Ntv, dpa, Al Jazeera) (smu)
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