Wie einst bei Heynckes
Hat der Gladbach-Sinkflug Auswirkungen auf Kleindiensts Karrierepläne?
Wird der aktuelle Misserfolg von Borussia Mönchengladbach Tim Kleindiensts Zukunft beeinflussen? Erinnerungen an Jupp Heynckes werden wach.
Mönchengladbach – Es war sein erstes Tor seit dem 15. März, doch mit dem 4:4 gegen 1899 Hoffenheim konnte Tim Kleindienst nur unzufrieden sein.
In Gladbach mehrt sich der Frust
Vor einigen Wochen durfte Borussia Mönchengladbach leise vom Europapokal träumen, jetzt steht der einstellige Tabellenplatz und wieder einmal das Verhältnis zu den Fans auf dem Spiel. Der Unmut wächst stetig, viele Anhänger vermissen eine Entwicklung im Defensivbereich. Angesichts von 121 Bundesliga-Gegentoren in der Ära von Gerardo Seoane ist das keineswegs verwunderlich.
Kleindienst hat sich binnen weniger als eines Jahres von einem Hoffnungsträger zu einem Leuchtturm entwickelt, zwischenzeitlich sogar zum formstärksten deutschen Stürmer. Mit 16 Saisontoren hat der 29-Jährige in Gladbach voll eingeschlagen, zu Buche stehen mittlerweile auch vier Tore in sechs Länderspielen für Deutschland.
Die Verletzungsprobleme im Sturm öffneten im Oktober die Tür für Kleindienst, der seine Chance unter Julian Nagelsmann eindrucksvoll genutzt hat. Entwickelt sich ein Spieler schneller als sein Verein, könnten sich die Wege jedoch schneller trennen als ursprünglich ausgehandelt.
Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, warf bereits im Januar die Frage auf, ob Kleindienst Gladbach zu entwachsen droht. Setzen die Fohlen das Saisonziel in den Sand, könnte diese mit „Ja“ beantwortet werden.
Neue Transfergerüchte um Kleindienst
Passend dazu kursieren dieser Tage erneut Gerüchte über einen Transfer. Die Bild-Zeitung brachte ein Angebot der Tottenham Hotspur über 28 Millionen Euro ins Spiel. Laut dem englischsprachigen Portal CaughtOffside sollen Interessenten aus der Premier League sogar bis zu 35 Millionen Euro zahlen wollen, während Kleindienst auch von der AC Mailand, AS Rom und vom FC Bayern beobachtet werde.
Inwieweit die Transfergerüchte der Wahrheit entsprechen, bleibt abzuwarten. Kleindienst erläuterte im April in einem Interview mit der Bild-Zeitung, keine Angebote vorliegen zu haben. Gleichwohl hatte der Stürmer zuvor kein Geheimnis daraus gemacht, sich mit etwaigen Offerten auseinanderzusetzen.
Die vergangenen Ergebnisse – allen voran Hoffenheim sowie das 3:4 gegen Holstein Kiel – könnten maßgeblich für Kleindiensts Zukunftsentscheidung verantwortlich sein. Neben dem Verpassen des Europapokals dürfte er sich die Frage stellen, wie viel sich eigentlich in dieser Saison entwickelt hat – und ob Borussia die richtige Adresse für die nächsten Karriereschritte ist.
Schließlich besteht die Chance, sich in der deutschen Nationalmannschaft festzuspielen und für einen Kaderplatz bei der Weltmeisterschaft 2026 in Kanada, Mexiko und den USA zu empfehlen. Sollten zusätzlich Vereine anklopfen, die international spielen, könnte sich Kleindienst auf einer noch größeren Bühne präsentieren. Und auch wenn Geld kein primärer Faktor sein sollte, könnten speziell Offerten aus der Premier League Zahlen in schwindelerregender Höhe beinhalten.
Macht es Kleindienst wie einst Jupp Heynckes?
Womöglich wird es Gladbach ähnlich ergehen wie im Jahr 1987. Jupp Heynckes hatte nach acht Jahren sein Amt als Cheftrainer aufgegeben und wechselte zum FC Bayern. Ausschlaggebend war ein historisches Europapokalduell.
In der Saison 1985/86 trafen die Gladbacher im Achtelfinale auf Real Madrid. Im Hinspiel feierte Borussia einen 5:1-Sieg, nur um im Rückspiel im Estadio Santiago Bernabéu krachend mit 0:4 auszuscheiden. Seinerzeit brach die Auswärtstorregel, die zur Saison 2021/22 abgeschafft worden ist, den Fohlen das Genick.
„Da war ich so enttäuscht, das war furchtbar. Als ich nach Hause kam, habe ich zu meiner Frau Iris gesagt: ‚Nein, ich komme so nicht weiter, das mache ich auch nicht weiter mit, immer eine neue Mannschaft zusammenzustellen, immer um den dritten, vierten, fünften Platz zu spielen‘“, erinnerte sich Heynckes in einem Magazin zur Sonderausstellung zu Ehren des Ex-Stürmers und -Trainers der Borussia an seinen Gedanken, der damals in ihm gereift war.
Kleindienst-Abgang wäre ein herber Verlust für Gladbach
Heynckes wollte Pokale gewinnen, das Sieger-Gen strahlte er schon in seiner aktiven Laufbahn aus. Als Uli Hoeneß ihn 1986 zum FC Bayern locken wollte, lehnte er noch ab, denn die vorzeitige Auflösung des bis 1987 befristeten Vertrags in Gladbach war keine Option. „Ein Jahr später rief er wieder an“, erinnerte sich Heynckes, „dann habe ich gesagt, jetzt mache ich es.“
Der Trainerwechsel war eine Zäsur, bis zur Saison 1994/95 sollte Gladbach kein einziges Mal in der Top-Fünf der Bundesliga landen. Ein Abgang von Kleindienst wäre mutmaßlich mit hohen Einnahmen verbunden, aber auch mit einem schwerwiegenden Verlust. Die Entscheidung wird davon abhängen, welche Ziele der Stürmer hat und ob er diese mit einem Verbleib in Gefahr sieht.
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