Viele Worte, wenig Leistung
Kleindienst steht in Gladbachs Führungsspielerdebatte im Fokus
Wenn es um die Führungsspieler von Borussia Mönchengladbach geht, deren Präsenz auf dem Platz fehlt, tritt Tim Kleindienst in den Vordergrund.
Mönchengladbach – Wenn es ungemütlich wird, ist Tim Kleindienst der erste Spieler im Kader von Borussia Mönchengladbach, der Klartext spricht.
Kleindienst geht im TV voran – aber nicht auf dem Platz
Der Mittelstürmer hat seinen Mannschaftskollegen mehrfach in dieser Saison die Leviten gelesen. So fand Kleindienst für das DFB-Pokal-Aus gegen Eintracht Frankfurt (1:2) im Oktober deutliche Worte, im April folgten nach den Bundesligaspielen gegen den FC St. Pauli (1:1) und Holstein Kiel (3:4) zwei Wutreden.
Solche Lautsprecher sind in der Kommunikation nach außen wichtig, zumal Kleindienst innerhalb der Kabine ähnliche Töne anschlagen dürfte. Zur Wahrheit gehört aber auch: Als die Borussia-Bosse nach dem Schlusspfiff in Kiel den mangelnden Einfluss der Führungsspieler kritisiert haben, war der deutsche Nationalspieler keinesfalls ausgenommen.
„Von erfahrenen Spielern erwarte ich eigentlich, dass sie zumindest fehlerlos spielen, nicht immer gut, das geht nicht immer, aber wenigstens fehlerlos“, sagte Sport-Geschäftsführer Roland Virkus gemäß der Rheinischen Post.
Individuelle Fehler waren am Samstag an vielen Stellen ersichtlich, den wohl bittersten machte Kleindienst. In der Nachspielzeit köpfte er eine Kieler Flanke im Rückwärtslaufen vor die Füße von Shuto Machino, der den Siegtreffer für die Störche erzielte.
Gladbach vermisst Führungsspieler
Natürlich konnte Kleindienst in dieser Situation keinen allzu wuchtigen Kopfball spielen, in den Highlights des Spiels gilt er dennoch als unfreiwilliger Vorlagengeber für Machino.
Zuvor legte der 29-Jährige das 3:3 durch Franck Honorat auf, doch in einer anderen Disziplin verfehlten Kleindienst und die anderen Führungsspieler – von denen Gladbach reichlich auf dem Platz hatte – ihre Aufgabe. „Was mich maßlos ärgert, ist, dass wir in Kiel zweimal ausgleichen und dann alle weiter wild nach vorne rennen. Da müssen die erfahrenen Spieler auch mal dafür sorgen, dass wir uns ein paar Minuten stabilisieren“, zitiert die Bild-Zeitung Virkus.
Auch Gerardo Seoane hatte sich an der Förde „eine ordnende Hand auf dem Platz gewünscht“, wie der Coach gemäß der Rheinischen Post klagte. Kleindienst, der in 90 Minuten nur 33 Ballkontakte sammelte, misslang es, den Gladbacher Offensivmotor in einen angemessenen Drehzahlbereich zu bringen, nachdem die Fohlen den 0:2-Rückstand zwischen der 60. und 69. Minute egalisiert hatten.
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Gladbach-Star Kleindienst steckt in einer Torflaute
Über allem schwebt indes die Bilanz von einem Tor in den vergangenen acht Bundesligaspielen.
So wichtig Kleindienst für Gladbach in der Arbeit gegen den Ball ist, so wichtig ist er auch mit seinen Qualitäten im Abschluss. Borussia braucht Spieler, die zuverlässig treffen. Das ist Kleindienst angesichts von 14 Toren in 22 Bundesligaspielen auch eindrucksvoll gelungen.
Seine Ausbeute ab dem 23. Spieltag ist jedoch sinnbildlich dafür, was Gladbach fehlt – auch wenn ein Gegenargument lautet, dass Kleindienst auf die Zuspiele seiner Teamkollegen angewiesen ist. Die Mannschaft braucht Führungsspieler, die in schwächeren Phasen vorangehen. Das macht Kleindienst derzeit mehr am Mikrofon als auf dem Rasen.
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