Es geht immer weiter runter

Marktwert-Update dokumentiert Gladbachs Kader-Crash seit 2020

Dass die goldenen Zeiten von Borussia Mönchengladbach vorbei sind, ist offensichtlich. Die Entwicklung des Kaders ist dennoch dramatisch.

Mönchengladbach – Für manchen Fußballfan sind die Marktwerte von transfermarkt.de bloß eine nette Spielerei, für andere handelt es sich um einen interessanten Anhaltspunkt zur Einschätzung der Qualität eines Spielers oder einer Mannschaft.

Marktwert-Update offenbar Gladbach-Absturz

Das Portal bewertet in regelmäßigen Abständen Marktwerte für einzelne Spieler und für den gesamten Kader eines Vereins. Im Juni-Update hat sich bei Borussia Mönchengladbach eigentlich wenig getan, in einem größeren Kontext wirken die gegenwärtigen Schätzungen aber dramatisch.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

Manuel Neuer feiert die Meisterschaft des FC Bayern auf Krücken
Nathan Ngoumou wird vorerst nicht mehr für Borussia Mönchengladbach spielen
Manuel Neuer wurde im Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und Leverkusen ausgewechselt
Xabi Alonso gewann 2010 mit Spanien die Weltmeisterschaft in Südafrika
Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

So war der bisherige Gesamtmarktwert des Fohlen-Kaders auf 147,4 Millionen Euro geschätzt worden, ab sofort werden 146 Millionen Euro ausgewiesen. Gladbach tritt nach dem zehnten Tabellenplatz in der Bundesliga auf der Stelle und bleibt im Marktwert-Ranking auf Rang elf.

Ein Vergleich mit früheren Marktwerten zeigt auf, dass Borussia stetig ins Mittelfeld der höchsten deutschen Spielklasse abgerutscht ist. In der Saison 2020/21 war ein Gesamtmarktwert von geschätzten 300,7 Millionen Euro angegeben, damit lagen die Fohlen auf Platz fünf. In 2021/22 erfolgte ein Absturz auf 236,8 Millionen Euro und Platz sechs, der 2022/23 mit einem leichten Anstieg auf 241,6 Millionen Euro gehalten wurde.

Zur Saison 2023/24 rutschte Gladbach mit einem Gesamtmarktwert von 165,2 Millionen Euro auf Platz zehn ab, ebenjene 147,4 Millionen Euro aus dieser Saison bedeuteten Rang elf.

Gladbach-Marktwert hat sich fast halbiert

Binnen fünf Jahren hat sich der Gladbacher Marktwert fast halbiert. Der Absturz im Sommer 2021 könnte auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen sein, da der FC Bayern beispielsweise Einbußen von 67,9 Millionen Euro verzeichnete, obwohl der Gesamtmarktwert der damaligen Neuzugänge den Gesamtmarktwert der Abgänge deutlich überstieg.

Der Einschnitt im Sommer 2023 ist auf die Abgänge von Marcus Thuram, Ramy Bensebaini und Jonas Hofmann zurückzuführen, 2024 verließ außerdem Manu Koné Borussia. Die verloren gegangene Qualität konnte aufgrund der ablösefreien Transfers von Thuram und Bensebaini kaum abgefangen werden, es war schlicht zu wenig Geld für kostspielige Investitionen da.

Die Marktwert-Entwicklung von Borussia Mönchengladbach stagniert.

Da Gladbach parallel den achthöchsten Personalaufwand aller Bundesligisten verzeichnet, bewegt sich die Mannschaft innerhalb eines gewissen Erwartungskorridors. Gleichwohl gilt es, die Stagnation in der Marktwert-Tabelle hinsichtlich des Projekts Wertsteigerung kritisch einzuordnen.

Gladbach muss noch mehr Werte schaffen

Beispielsweise haben Tim Kleindienst, Franck Honorat, Robin Hack, Rocco Reitz, Lukas Ullrich und Moritz Nicolas ihre individuellen Marktwerte steigern können, in der Gesamtabrechnung verzeichnet Gladbach aber ein Minus von etwas mehr als einer Million Euro.

Zwar hält sich der Marktwertverlust in diesem Jahr in Grenzen, aber Borussia macht eben auch keinen Schritt nach vorne. Trotz positiver Ausschläge haben die sportliche Leitung und das Trainerteam nur bedingt Werte schaffen können.

Dass Dr. Stefan Stegemann in einem auf der Vereinswebsite veröffentlichten Interview von Entscheidungen spricht, „bei denen wir den Mut zeigen müssen, loszulassen, um Neuem eine Chance zu geben“, kann auf zweierlei Art interpretiert werden.

Einerseits gilt es, schmerzhafte Abgänge wie den von Ko Itakura hinzunehmen. Der Japaner ist der beste und wertvollste Verteidiger, verspricht aber auch die meisten Einnahmen und muss angesichts seines bis 2026 gültigen Vertrages verkauft werden, um neue Spieler mit Potenzial unter Vertrag zu nehmen.

An einem Verkauf von Ko Itakura führt in Gladbach kein Weg vorbei.

Andererseits braucht es den Mut, Spieler abzugeben, die in ihrer Entwicklung stagnieren. In der Defensive sind Joe Scally und Luca Netz zu nennen. Hier können Impulse durch neues Personal den Konkurrenzkampf beflügeln, was wiederum eine neue Chance eröffnet, Werte zu schaffen.

Selbiges gilt im Mittelfeld, wo ein Abgang von Vize-Kapitän Julian Weigl die Chance auf eine Systemumstellung mit einem echten Abräumer böte.

Klare Botschaft an Sportchef Virkus

Stegemanns Botschaft ist eindeutig. Spielerverkäufe sind unumgänglich, Sport-Geschäftsführer Roland Virkus erhält sowohl einen Auftrag als auch das Vertrauen seiner Kollegen.

„Wir müssen Spieler dann verkaufen, wenn es sportlich weh tut. Das war in der Vergangenheit häufig so“, sagte Stegemann etwa und betonte: „Und selbst nach Abgängen von Spielern wie Marco Reus, Granit Xhaka oder Marc-André ter Stegen ist die Welt auch nicht untergegangen. Denn: Neues kann uns ja auch guttun.“

Ein Umbruch käme zum passenden Zeitpunkt – denn Borussia hat in den Jahren schon genügend Schritte zurück gemacht. Es wird Zeit, dass auch wieder ein Schritt nach vorne gelingt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ulrich Hufnagel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare