Es wäre ein Statement
Stimmt der Preis, ist ein Reitz-Abschied für Gladbach unvermeidbar
Auf emotionaler Ebene wäre ein Transfer von Rocco Reitz für Borussia Mönchengladbach schmerzhaft. Doch er wäre auch unvermeidbar.
Mönchengladbach – Noch im Mai schien die Zukunft von Rocco Reitz besiegelt. Der Mittelfeldmotor erklärte gegenüber der Bild-Zeitung, er werde bei Borussia Mönchengladbach bleiben.
U21-EM von Reitz hat die Karten neu gemischt
Mittlerweile aber hat Reitz eine erfolgreiche U21-Europameisterschaft hinter sich und kaum ist das Turnier vorbei, tauchen erste Transfergerüchte auf. Sky Sport bringt den FC Fulham mit dem 23-Jährigen in Verbindung, auch Brighton & Hove Albion, West Ham United und RB Leipzig gelten plötzlich als interessiert.
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Für die Fans ist klar: Reitz muss bleiben. Erstens hat er das selbst angekündigt, zweitens ist er einer der wenigen Nachwuchskicker, der aus dem Fohlenstall zu den Profis durchgedrungen ist.
Der schnelllebige Fußball hat allerdings schon viele Wendungen erlebt. Und aus finanzieller Sicht muss Gladbach auch schmerzhafte Verkäufe stemmen, wenn der Preis stimmt. Das machte Geschäftsführer Dr. Stefan Stegemann Anfang Juni deutlich.
Ein Abgang in diesem Sommer wäre auf emotionaler Ebene schmerzhaft und zugleich unverzichtbar, sollte eine adäquate Offerte eintreffen. Das hängt nicht nur mit dem Geld zusammen, sondern auch mit dem Standing von Borussia, das unter dem Sturz ins Mittelmaß leidet.
Gladbach ist kein Verkäuferklub mehr
Im Jahr 2025 haben die Fohlen – manch einer möge sagen, endlich – größere Begehrlichkeiten auf dem Transfermarkt geweckt. Ko Itakura ist schon länger ein Abschiedskandidat, vor der Knieverletzung rankten sich um Tim Kleindienst etliche Gerüchte und Reitz war bereits mit Manchester City und Inter Mailand in Verbindung gebracht worden.
Anders als in den erfolgreichen 2010er-Jahren ist Gladbach kein herausragender Verkäuferklub mehr. Jordan Beyer brachte 2022 immerhin 15 Millionen Euro, für Jonas Hofmann strich der VfL 10 Millionen Euro im Sommer 2023 ein, Manu Koné soll 2024 für etwa 20 Millionen Euro zur AS Rom gewechselt sein.
Das ist unter dem Strich zu wenig. Die Koné-Einnahmen fingen das Investment in den Kleindienst-Transfer ab, ermöglichten außerdem die Verpflichtungen von Kevin Diks (ablösefrei) und Jens Castrop (4,5 Millionen Euro). Mehr ging nicht.
Selbst wenn Itakura für einen zweistelligen Millionen-Betrag ginge, täte ein Transfer des Kalibers Reitz gut, um mehr Gestaltungsspielraum zu schaffen. Immerhin ist in seinem Fall von 25 bis 30 Millionen Euro die Rede.
Gladbach wartet auf den nächsten ter Stegen
Beim Eigengewächs spielt aber noch ein anderer Faktor eine Rolle: Seit Marc-André ter Stegen 2014 zum FC Barcelona gewechselt ist, wartet Gladbach auf den nächsten hausgemachten Star.
Mit Barça gewann ter Stegen in seiner Debütsaison 2014/15 das Triple, zu Buche stehen insgesamt je sechs Meisterschaften und Pokalsiege, vier Erfolge im spanischen Superpokal, ein Titelgewinn im UEFA-Supercup und die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft im Jahr 2016.
Selbstverständlich ist Reitz noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen, die Gerüchte um City und Inter kamen verfrüht. Dennoch ist er der erste Nachwuchskicker seit ter Stegen, der ein ganz Großer werden könnte. Eine solche Erfolgsgeschichte wäre für Gladbach von großem Wert.
Zum Vergleich: Mahmoud Dahoud wechselte 2017 zu Borussia Dortmund und gewann 2021 den DFB-Pokal, setzte sich aber nie dauerhaft durch.
Amin Younes erlebte zwischen 2015 und 2022 bei Ajax Amsterdam, der SSC Neapel und Eintracht Frankfurt ein Hoch inklusive Einladung zur deutschen Nationalmannschaft, stürzte dann aber tief. Mittlerweile ist der offensive Mittelfeldspieler bei Schalke 04 in der 2. Bundesliga aktiv.
Beyer wiederum bescherte Gladbach eine nette Ablöse, der FC Burnley zählt aber gewiss nicht zur Crème de la Crème des englischen Spitzenfußballs.
Reitz entwickelt sich schneller als Gladbach
Borussia braucht wieder Spieler, die sich aus dem Fohlenstall heraus zu Spitzenfußballern entwickeln. Nach elf Jahren Wartezeit ist mit Reitz jemand gefunden worden, der diese Lücke besetzen kann. Natürlich ist es allen Beteiligten ein großes Anliegen, so lange wie möglich von seinen Qualitäten zu profitieren. Das Eigengewächs entwickelt sich jedoch schneller als der Klub, was in den allermeisten Fällen zu einem Transfer führt.
Nachdem die U17-Mannschaft im Finale gegen RB Leipzig die B-Junioren-Meisterschaft errungen hat, darf der VfL perspektivisch Hoffnung auf weitere hochkarätige Talente schöpfen. Bis diese Früchte in einigen Jahren womöglich geerntet werden, könnte Reitz bereits auf einem ganz anderen Niveau spielen – vorausgesetzt, er meistert die nächsten Karriereschritte.
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