Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Traumwetter dank Prachtkerl Uli – doch Wettermodelle warnen vor dem, was kommt
Hoch Uli verwöhnt uns mit Frühlingssonne – doch die Wettermodelle warnen: Im Mai könnte die Stimmung brutal kippen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Deutschland sonnt sich, und das buchstäblich. Hoch Uli thront mit einem Kerndruck von über 1040 Hektopascal bei Island und schickt uns trockene, zunehmend milde Luft. Ein Prachtkerl von einem Hoch – keine Frage. Doch selbst die mächtigsten Hochdruckgebiete haben ein Ablaufdatum.
Zum Start in die neue Woche bröckelt Ulis Herrschaft erstmals, ein Tiefdruckausläufer schleicht sich durch und bringt hier und da ein paar Regentropfen. Wer auf einen ausgiebigen Landregen hofft, wird allerdings enttäuscht – nennenswerte Niederschläge bleiben aus.
Omega-Blockade: Wenn das Hoch zur Falle wird
Dann kommt Anfang Mai die nächste Überraschung – und die hat es in sich. Das Hochdrucksystem rappelt sich nämlich nochmal auf und nimmt eine sogenannte Omega-Formation an, benannt nach dem griechischen Buchstaben, den die Druckkarte dabei zeichnet. Die Folge: 20 bis 25 Grad, im Süden und Westen lokal bis 27 Grad – fast schon Sommerfeeling Anfang Mai.
Schön, oder? Theoretisch ja. Doch genau diese starre Blockadelage hat einen Haken. Sie presst die Polarfront zusammen wie eine aufgezogene Sprungfeder. Und Sprungfedern, die man zu lange spannt, schnappen irgendwann zurück.
Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören




Eisheilige oder Frühsommer – das ist hier die Frage
Genau das zeigen die aktuellen Wettermodelle: zwei Szenarien, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Behauptet sich das Omega-Hoch über Mitteleuropa, winkt ein früher Frühsommer mit anhaltender Trockenheit. Verlagert es sich aber nur ein paar Hundert Kilometer in die falsche Richtung, öffnet sich die Tür für polare Kaltluft – und die Eisheiligen rasen mit voller Wucht Richtung Alpen.
Temperatursturz inklusive. Die Wettermodelle zeigen Stand heute eher moderates Frühlingswetter mit leicht überdurchschnittlichen Temperaturen. Aber: Bei meridionalen Wetterlagen dieser Art kann sich das Blatt innerhalb von 48 Stunden wenden. Wer also Mitte Mai Gartenparty plant – Daumen drücken und Wetterapp im Blick behalten.
Das Fazit: Sonne genießen, aber vorsorgen
Uli ist noch da, aber seine Tage sind gezählt. Die nächsten zwei bis drei Wochen werden wettertechnisch hochspannend – mit dem realen Risiko, dass auf den schönsten Frühlingsstart des Jahres ein echter Kälteeinbruch folgt. Die Natur hat das übrigens schon gespürt: Viele Obstbäume blühen Wochen früher als noch vor zehn Jahren. Kommt jetzt doch Frost, drohen massive Schäden in Obstgärten und Weinbergen. Der Mai macht, was er will – und 2026 könnte er es besonders deutlich zeigen.
Rubriklistenbild: © Wetterdienst Q.met / www.wetterdata.de
