Armutsrisiko steigt
Mieten-Schock in Deutschland: Belastung steigt deutlich – auch Mittelschicht gerät unter Druck
Die Mieten in Deutschland steigen deutlich schneller als die Einkommen. Damit nimmt die Belastung zu, viele haben deshalb kaum finanziellen Spielraum. Das betrifft auch die Mitte.
Frankfurt – Die Mieten steigen immer weiter. Die Entwicklung hat in den vergangenen Jahren so angezogen, dass sie längst von den Einkommen der Menschen abgekoppelt ist. Heißt: Die Betroffenen müssen immer mehr von ihrem Nettogehalt für die Miete ausgeben. Für sie hat das ernste Folgen: Sie können sich Wohnen immer weniger leisten – und haben damit auch für andere Dinge weniger Geld zur Verfügung.
Die Entwicklung dieser Mietbelastung zeigt eine neue Auswertung von Datapulse. In den vergangenen acht Jahren stiegen die Löhne in Deutschland demnach um 27 Prozent, wobei die Inflation von etwa 25 Prozent diese Zuwächse sofort aufgezehrt habe. Damit bleibe ein reales Lohnwachstum von 1,3 Prozent.
Mieten steigen rasant, die Einkommen nicht: Belastung durch Wohnkosten nimmt zu
Im Vergleich zum Wachstum der Mieten ist das verschwindend gering. In Berlin etwa legten die Mieten im Untersuchungszeitraum von 2016 bis 2024 um 91 Prozent zu, in Leipzig um 74 Prozent und in München um 53 Prozent. Damit wird bezahlbarer Wohnraum immer seltener – gerade in Städten. Lohnsteigerungen fließen dort direkt in die Miete.
In diesen Städten ist die Belastung durch die Mieten am höchsten




Datapulse hat dabei die Mietbelastungsquote errechnet. Das ist der Anteil des Nettogehalts, den Personen für ihre Mietzahlungen nutzen. Dabei gelte die Marke von 30 Prozent des Nettoeinkommens als Richtwert. Darüber sinke der Spielraum zum Sparen und für unvorhergesehene Ausgaben.
Menschen in Deutschland müssen immer mehr ihres Einkommens für die Miete benutzen
Die Mietbelastung von Einpersonenhaushalten in Deutschland ist laut der Untersuchung im vergangenen Jahrzehnt deutlich gestiegen. 2014 flossen demnach 20,6 Prozent des Nettoeinkommens in die Miete. 2024 waren es 23,7 Prozent. Die Zahlen entsprechen dem Median, also dem statistischen Mittel. Dabei könne es sein, dass junge Erwerbstätige die Hälfte ihres Einkommens für Wohnen ausgeben, während es bei Führungskräften lediglich 20 Prozent sind. Durch das Medianeinkommen zeige man die Belastung für die „statistische Mitte der Gesellschaft“, erklärte Datapulse. Damit gerieten viele Haushalte „spürbar näher“ an die 30-Prozent-Marke.
Auch der Deutsche Mieterbund beobachtet die zunehmende Belastung. Über ein Drittel aller Mieterhaushalte müsse mehr als 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgeben, heißt es im Mietenreport vom November 2025. 12 Prozent gaben mehr als 40 Prozent aus.
Armutsbetroffene leiden besonders unter „existenziell bedrohender Mietbelastung“
Dabei lebe ein Drittel der armutsbetroffenen Menschen mit einer „existenziell bedrohenden Mietbelastung“, so der Mieterbund. Die Überlastungsquote sei 2024 mit 37,5 Prozent mehr als dreimal so hoch gewesen wie in der Gesamtbevölkerung. „Steigende Wohnkosten bedeuten in dieser Situation zwangsläufig Verzicht und Mangel an anderer Stelle.“
Der Mieterbund beobachtet dabei jedoch eine Ausweitung der Mietbelastung auf die „Mitte der Gesellschaft“. Seit 2020 habe sich die Mietbelastungsquote bei nicht armutsbetroffenen Haushalten mehr als verdoppelt. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt treffe dabei „zunehmend die Mitte der Gesellschaft“, heißt es im Bericht. „Was früher ausschließlich ein Armutsproblem gewesen sein mag, wird zunehmend auch für die Mittelschicht zum Risiko.“
Mietbelastung steigt nicht nur in Großstädten
Die hohe Belastung durch die Mieten betrifft laut der Datapulse-Analyse längst nicht mehr nur Großstädte wie München und Frankfurt oder deren Umland. Datapulse hat dabei 400 Kreise und kreisfreie Städte untersucht. Während 2014 nur sechs Landkreise eine Mietbelastungsquote von 30 Prozent oder höher aufwiesen, waren es 2024 bereits 26.
Dabei sei auffällig, „dass nicht nur die Innenstädte teurer geworden sind, sondern auch die umliegenden Vororte“, so die Autorinnen und Autoren der Analyse. „Viele Menschen sind auf der Suche nach günstigeren Mieten und mehr Platz ins Umland gezogen, doch die gestiegene Nachfrage hat auch dort die Preise nach oben getrieben.“
Münchner Umland bei der Mietbelastung ganz oben
Das zeigt sich etwa am Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort zahlen Mieterinnen und Mieter im statistischen Mittel fast 40 Prozent ihres Nettoeinkommens als Miete. Das ist damit mehr als in München, wobei die bayerische Landeshauptstadt mit 39 Prozent in der Auswertung auf Rang zwei liegt. Es folgen die umliegenden Landkreise Dachau (38 Prozent), Ebersberg (38 Prozent) und Miesbach (37 Prozent). (Verwendete Quellen: Datapulse, Deutscher Mieterbund)
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