Abschied zur PSV Eindhoven
Pléa-Transfer enthüllt Gladbachs Probleme: Ein Detail spricht Bände
Alassane Pléa verlässt Borussia Mönchengladbach. Doch sein Abgang ist mehr als nur ein Transfer – er ist das Symbol für eine gefährliche Entwicklung.
Mönchengladbach – Der Wechsel von Alassane Pléa zur PSV Eindhoven ist offiziell und markiert das Ende einer Ära. Nach sieben Jahren verlässt der Franzose Borussia Mönchengladbach.
Der Verkauf des Angreifers ist für die Fohlen nicht nur mit sportlichem Risiko verbunden, zumal Nationalspieler Tim Kleindienst noch lange ausfällt. Er ist auch ein schmerzhaftes Symptom für eine besorgniserregende Entwicklung am Niederrhein: den sportlichen und finanziellen Stillstand.
„Ich blicke dankbar zurück auf sieben tolle Jahre bei diesem großartigen Klub“, sagt Pléa zu seinem Abschied. Auch Sport-Geschäftsführer Roland Virkus findet versöhnliche Worte und erklärt, man sei dem Wunsch des Spielers nach einer neuen Herausforderung nachgekommen. Die nüchternen Fakten: Für kolportierte drei bis vier Millionen Euro wird ein Schlüsselspieler abgegeben. Viel entscheidender ist aber ein anderes Ablöse-Detail.
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Gladbachs Rekordtransfer: Ein Denkmal des Stillstands
Seit der Saison 2018/19 ist Alassane Pléa mit 23 Millionen Euro der Rekordeinkauf von Borussia Mönchengladbach. Sieben Jahre lang wurde diese Marke nicht übertroffen. In einer Bundesliga, die sich rasant entwickelt, ist das ein alarmierendes Zeichen. Während Klubs wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder der VfB Stuttgart ihre Rekordmarken in den letzten Jahren teils mehrfach pulverisiert haben, herrscht in Gladbach eine gefährliche Ruhe.
Der Vergleich mit der Konkurrenz ist ernüchternd. Da muss der Blick gar nicht auf den FC Bayern mit Harry Kane und der Nähe zur 100-Millionen-Euro-Grenze gehen. Sondern zum Beispiel nach Stuttgart mit Deniz Undav und rund 27 Millionen Euro.
Stillstand bedeutet im Profifußball immer Rückschritt – und Gladbachs Transferrekord ist zu einem Denkmal dieses Rückschritts geworden.
Vom Champions-League-Achtelfinale zum Ausverkauf
Die fehlende finanzielle Durchschlagskraft hat direkte sportliche Konsequenzen. Ein Blick auf den Kader, der im März 2021 im Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester City stand, verdeutlicht den Aderlass. Von den damals eingesetzten oder auf der Bank sitzenden 17 Profis ist mit Nico Elvedi nur noch ein einziger Spieler im Verein.
Stars wie Yann Sommer, Marcus Thuram, Ramy Bensebaini, Matthias Ginter oder Jonas Hofmann haben den Verein verlassen – oft für geringe oder gar keine Ablöse. Hier liegt der Hase im Pfeffer: Hätte Gladbach Bensebaini, Ginter und Thuram nicht ablösefrei verloren, wären die Mittel für einen neuen Rekordtransfer womöglich vorhanden gewesen. Stuttgart hat immer wieder hohe Einnahmen erzielt und konnte sich so die Undav-Ablöse locker leisten.
Der einstige Königsklassen-Teilnehmer hat seine Leistungsträger nicht halten und auch längst nicht in allen Fällen adäquat ersetzen können. Übrig geblieben ist ein Kader, der sich in den letzten Jahren tendenziell eher in Richtung Abstiegskampf als nach Europa orientieren musste.
Ein Weckruf für Roland Virkus und Gladbach?
Der Abgang von Alassane Pléa ist daher mehr als nur der Verlust eines verdienten Spielers. Er ist der letzte Vorhang für eine Ära, die hoffnungsvoll begann und in der Stagnation endete. Die geringe Ablöse, die für den Rekordeinkauf noch fließt, ist das schmerzhafte, aber passende Symbol für eine Entwicklung, die den Klub sportlich und finanziell ins Hintertreffen hat geraten lassen.
Für die Verantwortlichen um Roland Virkus muss es ein Weckruf sein. Es braucht mehr als nur das Verwalten des Status quo. Es braucht eine neue Vision, eine mutige Strategie und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Der schmerzhafte Aderlass der letzten Jahre bietet nun auch die Chance, eine neue, hungrige Mannschaft mit einer klaren sportlichen Identität aufzubauen.
Ansonsten droht der Traditionsklub endgültig den Anschluss zu verlieren.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon
