Graue Maus Borussia
Gladbach-Fans vermissen Aufbruchstimmung und sehen sich nach einem Boost
Gladbach-Fans spüren nach dem zähen Ende dieser Saison wieder einmal Tristesse. Wer verleiht den Fohlen im Sommer neuen Schwung?
Mönchengladbach – Wann Borussia Mönchengladbach das letzte positive Saisonende erlebt hat? Dafür muss man einige Jahre in die Vergangenheit reisen.
Seit 2021 brodelt es in Gladbach
In der Saison 2019/20 blieben die Stadien aufgrund der Corona-Pandemie leer, als es in die Crunchtime ging, aber Gladbach qualifizierte sich unter Marco Rose mit 65 Punkten für die Champions League. Zum dritten Mal seit 2015 waren die Borussen in der Königsklasse, der von Max Eberl initiierte Impuls auf der Trainerbank schien aufzugehen.
Rose war 2019 verpflichtet worden, obwohl Dieter Hecking zuvor Platz fünf mit 55 Punkten einfuhr. Das war Eberl offenbar nicht genug, der Gladbacher Sportchef wollte die nächste Stufe erreichen und „etwas Blechernes“ mit den Fohlen gewinnen.
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Was folgte, ist bekannt: Rose wechselte 2021 zu Borussia Dortmund und verpasste zum Abschied aus Gladbach mit Platz acht die erneute Europapokal-Qualifikation. Unter Adi Hütter und Daniel Farke wurde Borussia jeweils zehnter, mit Gerardo Seoane kamen die Plätze 14 und zehn zustande.
Gladbach ist zur grauen Maus geworden
Seit dem Rose-Abschied herrscht Stillstand in Gladbach. Ambitionierte Ziele werden kaum geäußert, das Vorgehen auf dem Transfermarkt versprüht ebenfalls wenig Hoffnung. Der Klub ziert sich, zu investieren, geht nach Corona und ablösefreien Abgängen auf Nummer sicher. Es ist ein Flickenteppich, um den sich Sport-Geschäftsführer Roland Virkus kümmert, und der wenig Hoffnung auf Besserung versprüht.
Liest man im Netz Meinungsäußerungen aus dem Fan-Umfeld, fällt eines auf: Es fehlt die Aufbruchstimmung. Die Anhänger sehnen sich nach dem Gefühl, dass es bald wieder bergauf geht und das graue Mittelfeld der Vergangenheit angehört.
Wer kann ein solches Gefühl transportieren? Das ist in vielen Fällen der Trainer. Am Niederrhein ging es nach der Verpflichtung von Lucien Favre im Februar 2011 rapide nach oben, Eintracht Frankfurt entwickelte sich unter Niko Kovač zwischen 2016 und 2018 vom Fast-Absteiger zum DFB-Pokal-Sieger, der VfB Stuttgart und Sebastian Hoeneß wiederholten das Frankfurter Kunststück zwischen 2023 und 2025.
Auch Spielertransfers machen wenig Hoffnung
An Seoanes Posten ist aber augenscheinlich nicht zu rütteln und der Schweizer will keine falschen Versprechungen machen. Er besinnt sich auf die tägliche Arbeit mit der Mannschaft, feilt an Details und ist auf die Leistung konzentriert.
Nun kann auch über Spielertransfers eine Aufbruchstimmung erzeugt werden, doch auch dieser Effekt verpuffte in der Vergangenheit. An Julian Weigl scheiden sich seit jeher die Geister, Tomáš Čvančara entwickelte sich nach seiner Verpflichtung vom Hoffnungsträger zum Buhmann, auch von Kevin Stöger war mehr erwartet worden.
Wenn Ex-Profi Thomas Kastenmaier im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, davon spricht, Borussia benötige „ein bis zwei Kracher“, dann sind Transfers der Marke Tim Kleindienst gemeint. Der Stürmer startete voll durch, schoss 16 Tore und entwickelte sich zum deutschen Nationalspieler.
Allerdings landete Gladbach auch mit Kleindienst auf Platz zehn, obendrein wird der Torjäger nach einer Knieverletzung mit Meniskusbeteiligung mehrere Monate fehlen.
Wer hebt Gladbach aus dem Mittelmaß?
Wer dem Umfeld den nächsten Favre- oder Kleindienst-Boost verleihen wird, ist ungewiss. Erst wird Gladbach verkaufen, dann geht es an Neuzugänge. Mit Kevin Diks und Jens Castrop stehen davon schon zwei fest, doch Verteidiger wie Diks stechen bei Fans seltener hervor als Stürmer und Castrop wird erst den Beweis erbringen müssen, für diesen Karriereschritt gemacht zu sein.
Dass noch am Montagabend Gladbach-Fans auf ‚X‘ aufhorchten, weil laut Sky Sport mit Nils-Ole Book der Sportvorstand der SV Elversberg am Niederrhein ein Thema sein soll, sprach Bände für die gegenwärtige Stimmung. Die Überzeugung, dass in der bestehenden Konstellation eine Wende gelingt, hält sich in Grenzen. Allein: Veränderungen sind nicht in Sicht.
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